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Es ist geschafft – Uh YEAH

24.05. Es ist Freitag Mittag und Jule wartet schon vorm Büro mit dem Auto. Alle nötigen Sachen sind im Kofferraum und es geht los gen Thüringen. Ich nutze die Fahrt für einen wohlverdienten Erholungsschlaf und werde erst kurz vor Arnstadt wieder wach. Als wir bei Jules Eltern ankommen ist mein Paps auch schon da und wir Männer beginnen sogleich mit einer Streckenanalyse. Ehrlich gesagt meint das eher, dass Hei – Jules Paps – als erfahrener Rennsteigmarathoni mit uns anhand einer Karte die Strecke durchgeht. Er weist uns auf Besonderheiten wie den Hohlweg, den besten Haferschleim am Masserberg und das Bier kurz vorm Ziel hin.

Die Damen haben sich netterweise um ein sehr üppiges Abendbrot gekümmert und als die Jenaer ankommen wird ordentlich geschlemmt. Es heißt noch einmal sämtliche Energiespeicher aufzufüllen. Nach einem Bierchen zur Beruhigung gehts dann auch nicht soo spät – war noch vor 23:00 Uhr – ins Bett.

25.05. Der Große Tag ist da, hierfür habe ich trainiert und mich teilweise ordentlich gequält. Hoffentlich wird es ein toller Tag. Regen und Schnee aus dem Wetterbericht lassen das Schlimmste erahnen. Dank meines Schatzes bin ich aber gut ausgestattet auch bei Regen. Es gab nämlich noch ein Motivationsgeschenk:

Meine erste Laufjacke

Schick oder? 😉

Die Halbmarathonis verabschiedeten sich um 5:30 gen Oberhof. Und wir Marathonis konnten uns in Ruhe und relativ entspannt fertig machen. Nicht zuletzt weil Bilder aus Neuhaus – per Whatsapp erhalten – zeigen, dass es eventuell doch bessere Wetterbedingungen geben wird als erwartet. Um 06:30 fällt der erste Startschuss des Tages und es geht los von Arnstadt nach Neuhaus. Nachdem wir angekommen sind steigt die Laune noch weiter. Kein Regen, kein Schnee es ist nur etwas kalt, aber das ist kein Problem. Wir sind gut drauf:

Gemeinsam am Start

Die letzten Minuten vorm Start beschäftigen wir uns mit dem organisieren unserer Startunterlagen, Klamotten für danach werden im obligatorischem gelben Beutel verstaut und zu den VerladeLKW´s gebracht. Die Beutel sind mit den individuellen Startnummern versehen und werden zum Ziel gebracht und dort nach Nummern und Rennstrecke sortiert auf eine Wiese gelegt. Wenn man selbst das Ziel erreicht hat kann man sich dort dann einfach seinen Beutel holen und dann duschen gehen. Aber jetzt geht es erstmal darum soweit zu kommen. Jeder erledigt noch einmal sein persönliches Geschäft – WICHTIG – und trifft letzte Vorbereitungen. Hier will ich euch kurz die Dinge darstellen, die mir unheimlich geholfen haben, auch wenn es sich nicht um erotische Hochgenüsse handelt, aber es gehört dazu 😉

Das Nippelpflaster – Wichtig für alle die auch nur im entferntesten einen Hang zu wunden Nippeln haben. Jeder der schon einmal blutverschmierte  Laufshirts gesehen hat oder es am eigenen Leib erfahren hat wird auf diese Pflaster vor allem für lange Läufe nicht mehr verzichten.

Die Vaseline, der natürliche Feind des Wolfes – nein es geht hier nicht um irgendwelche zwielichtigen erotischen Vorlieben, viel mehr kannte ich es schon von früher auf 30 km Märschen und mittlerweile habe ich es auch auf einigen der längeren Trainingsläufe erlebt. Man kommt an, ist total geschafft, geht duschen und merkt einen brennenden Schmerz auf den Innenseiten der Oberschenkel. Dieses „Wundlaufen“ nennt man im Volksmund auch sich-einen-Wolf-laufen. Meiner Recherche von diversen Zeitschriften und Artikeln sei dank habe ich noch in der Woche vor dem Start vom Wundermittel Vaseline gegen den Wolf gelesen. Ohne es jemals getestet zu haben hab ich mich einfach drauf verlassen und vor dem Start großzügig aufgetragen. Und ich kann vorweg sagen – SAU GUT – nichts war Wund nach dem Lauf, das fand ich echt klasse und kann somit nur jedem empfehlen, der da ähnlich empfindlich ist wie ich.

Aber nun ist es so weit. 2877 Starter finden sich ein um gemeinsam. der Tradition folgend, am Start den Schneewalzer und das Rennsteiglied zu singen. Der Startschuss ertönt und das Gewusel beginnt. Hier gibt es dann auch gleich die erste Enttäuschung, wie versprochen will ich für euch das Runtastic-Live Tracking starten, aber die Datenverbindung funktioniert nicht. Bis zum km 3 versuch ich alles, aber heute weiß ich, dass das Datennetz schlicht überlastet war und ich somit keine Chance hatte. Bei km 3 geb ich dann endgültig auf und starte das offline Tracking, bis hierher trägt Paps meine Jacke und meine Handytasche. Ich sch§$%& also auf die Technik, stöpsel mir Musik ins Ohr und lege so richtig los. Beherrscht versuche ich nicht zu überpacen, gleichzeitig sind wir aber aufgrund der technischen Probleme fast ganz hinten gewesen als die Startlinie überquert wird und es beginnt ein Marathon auf der Überholspur. Bis Kilometer 20 überhole ich nur ohne selbst überholt zu werden. Dabei bin ich gerade in den Waldpassagen wohl etwas zu aggressiv – ich nutze die Böschungen rechts und links der Waldwege um hier auf noch unwirtlicherem Terrain an anderen Läufern vorbei zu hetzen. Ab km 10 nutze ich jede Verpflegungsstelle. Der viel-gelobte Haferschleim bekommt mir sehr gut und Vita Cola ist mir auch ein lieber Begleiter. Hierbei kann man noch erwähnen, dass die Betreuungsvereine der Einzelnen Verpflegungsstationen sich einen richtigen Wettkampf bei der Herstellung des Schleims liefern. Darüberhinaus gibt es noch ein paar Becher Tee, Wasser, Iso-Getränk und Banane. Während des Laufs begegnen mir auch einige sonderbare Läufer. Eine etwas betagtere Dame läuft barfuß und immer wieder rennen Einige rückwärts – soll wohl schonend für den gesamten Laufapparat sein. Auch ziemlich imposant sind die Fans am Streckenrand. Durch die regelmäßigen Anfeuerungen kann man über einige Schmerzen hinwegsehen und fühlt sich ein wenig wie ein Star. Bei km 11 gibt es wieder ein technisches Problem – die Musik geht einfach aus. Ich denke im ersten Moment, dass der Akku leer ist und steck die Kopfhörer in die Jacke um mir selbige dann um die Hüfte zu binden – es wird langsam wärmer. Bei dem nächsten Kilometer ertönt aber die Stimme meiner netten Runtastic Begleiterin, die mich anfangs noch so schmächlich im Stich lies und machte deutlich, dass der Akku noch nicht aufgegeben hat. Erstmal wollte ich nun aber weiterlaufen ohne schon wieder kramen und tippen zu müssen. So ging es dann ganz gut voran. Immer wieder erkennt man einige Mitläufer wieder, die einen überholten und wieder eingeholt werden oder umgekehrt. Interessant, wie so aus einem Lauf eine richtige Aneinanderreihung von verschiedenen Wettkämpfen wird. Auch hilft es mir die Zeit zu vertreiben. Aber dann kommt der km 31, das Schild steht rechts vom Weg und es geht direkt bergauf, bis hierher bin ich nur hin und wieder in den Verpflegungsstellen und gezwungener Maßen im Hohlweg ins Gehen gekommen – der Hohlweg ist wohl der trailintensivste Teil des Rennsteigmarathons und es ist nicht möglich rechts oder links zu überholen, da die Wände zu hoch sind. Aber zurück zu km 31. Ich dachte ich muss aufhören – der sprichwörtliche Mann-mit-dem-Hammer hat mich erwischt. Erst einmal ging ich den Berg hoch ohne zu rennen. Gleichzeitig habe ich begonnen ein richtiges Zwiegespräch mit mir zu führen. Das hört sich zwar etwas Psycho an, ist aber wohl normal 😉 . Schließlich schaffe ich es einen Kompromiss mit mir selbst auszuhandeln: Jede noch so kleine Erhöhung wird gegangen, dafür finishe ich die 43.5 km. Zeit ist ab jetzt nur noch nebensächlich. Ein gewisser Tunnelblick ist die unmittelbare Folge und führt leider dazu, dass ich das viel-gelobte Bier übersehe – naja ein Grund mehr nächstes Jahr erneut an den Start zu gehen 😉

Kurz vor Schluss erwartet mich dann ein großer Teil der KLA direkt an der Strecke und Jule rennt sogar ein paar Meter mit.

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Schließlich erreiche ich nach 43.5 km und 4 Stunden 37 Minuten und 14 Sekunden endlich die Ziellinie in Schmiedefeld und bin überglücklich! Wie ihr der Urkunde entnehmen könnt habe ich die reguläre Marathondistanz sogar unter 4:30 geschafft – Uh Yeah 😀

Urkunde

Geschafft

 

 

Nach dem Lauf haben wir es uns dann im Zelt nochmal richtig gut gehen lassen.

20130525_183003

 

Als Fazit kann ich euch sagen, dass der Marathon eine der extremsten Erfahrungen meines Lebens war und ich nun Blut geleckt habe. Im Juli folgt ja erstmal der Triathlon und dann…. sehn wir weiter. Ich hoffe ihr bleibt mir treu.

Mit sportlichen Grüßen

Euer Marathonfinisher 😀

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